Die Gefallsüchtigen

Buchtipp:

WOLFGANG HERLES – DIE GEFALLSÜCHTIGEN – Gegen Konformismus in den Medien und Populismus in der Politik

GENRE: Sachbuch > Gesellschaft & Kultur

Deutschlandfunk 29.01.2016 Medienquartett „Bitte nicht stören! Hauptstadtjournalisten unter sich“ Christian Floto unterhält sich mit Dr. Wolfgang Herles, ehem. Leiter des ZDF-Studios Bonn und ehem. Chef der ZDF-Sendung Aspekte; Dr. Christiane Hoffmann, stv. Leiterin des Hauptstadtbüros Der Spiegel; Tilo Jung, Chefredakteur Jung&Naiv

INHALT: Populistische Politiker, die ihr Fähnchen nur noch in den Wind hängen. Und Medien, die mitspielen. Vor allem ein immer seichteres öffentlich-rechtliches Fernsehen, das sich ohne Not unter das Diktat der Quote gestellt hat. Das Ergebnis: Moralismus und Alarmismus statt kritischem Qualitätsjournalismus, statt Aufklärung und Bildung nur Fußball und Krimis. Ihre Aufgabe, »vierte Gewalt« in unserem demokratischen Gemeinwesen zu sein, verfehlen die Gebührensender dramatisch. Und das am Beginn des digitalen Zeitalters, wo sie so wertvoll sein könnten wie nie. Wolfgang Herles beschreibt diesen besorgniserregenden Zustand und fordert: Reformiert ARD und ZDF grundlegend oder schafft sie ab.

AUTOR: Wolfgang Herles, Jahrgang 1950, ist einer der profiliertesten deutschen Fernsehjournalisten. Seit über 40 Jahren, zunächst beim Bayerischen Rundfunk, dann beim ZDF, moderierte er politische Magazine, Elefantenrunden und Talkshows sowie zehn Jahre lang das Kulturmagazin Aspekte und zuletzt die Literatursendung Das blaue Sofa. Herles ist Autor mehrerer politischer Sachbücher und Romane. Er lebt in München und Berlin.

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Was ist eigentlich Gefallsucht?

ZDF | Pelzig hält sich | 17.09.2013 | Wolfgang Herles, Sportfreunde Stiller, Georg Schramm

Synonyme für Gefallsucht sind: Eitelkeit, Hoffart (Hochmut), Selbstgefälligkeit, Selbstherrlichkeit, Putzsucht, Koketterie, Geckenhaftigkeit, Stutzerhaftigkeit, Dandytum (junge Leute, die in auffälliger Bekleidung Kirche oder Jahrmarkt besuchen), Affigkeit

Gefallsucht zerstört. Wie es das Wort selbst schon ausdrückt, handelt es sich hier um eine Sucht. So ein Mensch hungert nach Anerkennung und widerspiegelt eine große Unzufriedenheit. Er glaubt nicht zu genügen, redet sich ein, besser, klüger, intellektueller, schneller, fleißiger und ehrgeiziger sein zu müssen. Letztlich wird es aber nie genug sein, weil eine Sucht kein Maß und kein Ende kennt.

Die meisten Menschen haben es von ihrem Bewusstsein her schon verstanden, dass dieses Verhalten problematisch ist. Der Gefallsüchtige ist jedoch hochgradig ehrgeizig. Er muss mit seinem Sein und seinem Tun aus der Masse herausragen, um beachtet zu werden. Deshalb neigt er zur Prahlerei, zu Überheblichkeit, Stolz, Hochmut und Eitelkeit. Andere Menschen werden als Rivalen und Konkurrenten betrachtet. Die Anderen müssen ständig überholt und überrumpelt werden. Nicht selten müssen andere Menschen kleiner gemacht werden. Deshalb neigt der Gefallsüchtige in der Auseinandersetzung mit dem Außen auch schon mal dazu, andere Menschen ohne ersichtlichen Grund zu demütigen.

Eine übertriebene Gefallsucht weist somit deutlich auf einen Mangel hin. Das Bedürfnis dieses Menschen, gesehen zu werden, konnten während seiner Kindheit nicht ausreichend gestillt werden. In der Sucht nach Anerkennung versucht er nun, diesen Mangel auszugleichen und gerät dadurch in eine Spirale die nach immer mehr Aufmerksamkeit verlangt.

Der Gefallsüchtige kommt aus eigener Kraft kaum heraus, aus dieser Spirale. Denn der Betroffene hat keinen Blick dafür, dass er sich selbst von einer Sucht beherrschen lässt. Er ist damit beschäftigt, der Welt ständig beweisen zu müssen, wie gut er ist. Dabei kommt er nie zur Ruhe. Bis irgendwann der Zusammenbruch geschehen muss.

So kann es auch dem Hauptstadtjournalismus ergehen, wenn er sich nicht helfen lässt, wenn er weiterhin um immer größere Aufmerksamkeiten ringt.

Andere Gefallsüchtige wollen sich das Wohlwollen anderer Menschen auch erkaufen, erschleichen oder erbitten. Nirgendwo dürfen sie anecken. Allen Konflikten und Auseinandersetzungen gehen sie aus dem Wege und haben Angst anderen zu widersprechen. Im Hintergrund dieser Haltung stecken Selbstunsicherheit, Minderwertigkeitsgefühle und Abhängigkeiten. Diese Ausprägung der Gefallsucht fordert Kränkungen geradezu heraus. Betroffene Menschen lassen sich ausnutzen und ausbeuten. Im Familienverband spielen sie den Mitgliedern der Familie ihre Liebe vor, verwechseln die Liebe jedoch oft mit Konfliktvermeidung, mit Unterwürfigkeit oder mit Durchsetzungsschwäche.

Wie kann dem Gefallsüchtigen geholfen werden?

Auch die Gefallsucht begründet sich auf eine unbegründete Angst. Der Betroffene darf zunächst erkennen, dass es so ist, dass er unter einer Gefallsucht leidet.

Weil die Angst oft auf eine Interpretation der Wahrnehmung, während der Kindheit begründet ist, kann die Angst nicht auf eine reale Ursache begründet sein, sondern sie begründet sich auf eine Illusion von Angst. Der betroffene Mensch darf dann erkennen, dass die Angst nicht real ist, sondern in ihm selbst, durch sein Denken und durch seine Deutung der Wahrheit, als eine Fiktion erschaffen wurde. Dazu ist es nötig, dass der Betroffene den Mechanismus dessen, was sich damals abgespielt hat und wie er es gedeutet hat, noch einmal durchdenkt, um dabei zu erkennen, wie er zu der Wahrnehmung gekommen war, letztlich nicht genug gesehen zu werden.

Die Lösung besteht auch hier darin, das selbst erschaffene Monster zu erkennen. Wurde es erkannt, zerfällt es unmittelbar in diesem Moment zu Staub. Das bedeutet, dass die Wirkung, also das Leiden, solange bestehen bleiben muss, bis der Betroffene erkennt, dass er das Leiden selbst erschaffen hat.

Es fehlt dann noch die Tatsache anzuerkennen, dass es keine Schuld gibt. Weder die Eltern, noch der Betroffene tragen eine Schuld an dem, was geschah. Er darf somit bei sich selbst und bei den daran beteiligten Menschen um Vergebung bitten. Dazu müssen die daran beteiligten Menschen nicht anwesend sein. Wir können Vergebung auch im Geiste zelebrieren. Das bedeutet wiederum, dass wir, wenn wir die Ursache mit den Gedanken erschaffen konnten, können wir sie auch mit den Gedanken abstellen. Dann gibt es auch keine Wirkung mehr und das Leiden darf verschwinden.

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