Sag dem Eigennutz ade und du wirst alles bekommen, was du brauchst

Den Eigennutz dürfen wir nicht mit dem Ego verwechseln. Das Ego betrifft sozusagen das Bewusstsein über das Selbst. Es ist unabdingbar bei der Selbsterkenntnis, sich als Mensch, als Schöpfer seiner Selbst, oder als Schöpfergott, vielleicht sogar als Gottes Ebenbild zu erkennen. Aber der Eigennutz ist eine Triebfeder, die aus einer individuellen Angst entsteht. Jedoch ist dieser Aspekt des Seins zu einer unabdingbaren Voraussetzung hochstilisiert worden, um in der westlichen Wertegemeinschaft bestehen zu können.

Ich möchte in diesem Artikel klären, wo die Angst herkommt. Denn, wenn sie nicht da wäre, würden deren Auswirkungen auf dieser Erde auch nicht da sein. Ein Naturgesetz ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. Alles, was eine Wirkung hat, muss auch eine Ursache haben. So hat auch der Eigennutz seine Ursachen.

Menschen waren nicht immer so. Über viele Millionen Jahre haben Menschen in Kooperation miteinander gelebt. Erst mit der Kulturalisierung, Industrialisierung und Verstädterung haben sich die Menschen von der Natur getrennt. Dadurch haben die Menschen sich von ihrer eigenen Natur, in ihnen drin, getrennt. Somit können die Menschen sich nicht mehr als Mensch, als Schöpfer usw. erkennen. Sie verwechseln vielmehr die Triebfeder Angst in ihnen mit einem naturgegebenen Antrieb zu überleben. Das ist sie aber nicht.

Schauen wir uns doch zunächst einmal an, was diese Gesellschaft unter dem Begriff Eigennutz versteht oder bisher darunter verstanden hat.

Eigennutz ist …

Gefunden auf Deutsches Rechtswörterbuch

  1. eigene Nutzung
    • in aigens nucz und gewer inngehabt – 1367 – SpöltenUB
  1. unrechtmäßiger persönlicher Vorteil

Bei der Recherche habe ich festgestellt, dass Suchmaschinen, wie Google, den Begriff „Eigennutz“ oft einfach in „Selbstsucht“ ändern. Auch dadurch werden Suchergebnisse und somit Wahrheiten verfälscht. Jetzt frage ich mich, weshalb der Begriff verfälscht dargestellt wird? Das kann kein Versehen sein.

Auf jeden Fall bringen die oben aufgezeigten Ergebnisse auf den Begriff „Eigennutz“ ein eher erschreckendes Gesamtbild auf den Schirm. Unter dem Antrieb des Eigennutzes geschieht so ziemlich alles in diesem gesellschaftlichen Gefüge. Somit stellt dieser Begriff den zentralen Wert dieser Gesellschaft dar. Da erschrickt man doch vor sich selbst, oder?

Du erschrickst aber nur, wenn du das Gespenst in dir selbst nicht betrachten möchtest. Deshalb möchtest du ganz schnell wieder wegschauen. Wegschauen hilft aber nicht. Wenn du das Gespenst wirklich nicht mehr in dir spüren möchtest, wirst du nicht darum herumkommen, es zu betrachten.

Nachdem du es in dir oder an dir selbst betrachtet hast, es wahrgenommen hast, dass es da ist, kannst du seine Daseinsberechtigung erkennen und für wahr annehmen, dass es da ist. Ja, es ist da, das Gespenst „Eigennutz“. Indem du es erkennst, kannst du auch erkennen, mit welchem Aspekt einer Angst in dir das Gespenst verknüpft ist.

Und jetzt, da du seine Anwesenheit und seine Verknüpfung erkannt hast, kannst du mit seiner Anwesenheit umgehen. Du kannst dir bewusst sagen, in welcher Intensität das Gespenst da sein darf und kannst es ihm auch untersagen, hier oder da anwesend zu sein.

Du kannst die dunkle Seite in dir nicht abschaffen, nicht löschen und nicht herausnehmen lassen. Du kannst sie auch nicht einfach ignorieren. Sie ist trotzdem immer da. Sie ist da, weil du lebst. Du kannst aber aufmerksam hinschauen und erkennen, an welchen Punkten der Eigennutz von seinem natürlichen Überlebenstrieb abweicht und aus einer Angst heraus aktiv wird. Welche Angst das ist, kann sich für jeden Menschen anders darstellen. Bei den einen ist es die Angst zu verhungern, bei anderen ist es die Angst vor Gewalt, vor Schmerz, vor Unreinheit, vor Bevormundung, vor Erniedrigung und vieles andere mehr. Ängste wurden meist in der frühen Kindheit programmiert.

Eine Angst überwinden zu wollen funktioniert am besten, indem man es sich bewusst macht, oder durch therapeutische Unterstützung bewusst machen lässt, dass die Angst unbegründet ist. Wenn die Angst als Ursache nicht mehr da ist, wird auch der Eigennutz als Wirkung überflüssig und er verschwindet in der Geschwindigkeit, wie du die Angst nicht mehr in dir hast. Heilung ist auch an diesem Punkt ein Prozess. Er beginnt mit dem Entschluss den Weg zu gehen.

Aber das Ich bzw. das Ego sollten wir nicht überwinden wollen. Das Streben danach käme einer Selbstablehnung gleich. Wir können aber jede erdenkliche Angst überwinden.

Den Eigennutz zu überwinden lohnt sich.

Das Gegenteil von Eigennützigkeit wäre die Uneigennützigkeit, was auch unter dem Begriff Altruismus bekannt ist. Ich lehne aber alles ab, was mit der Wortendung -mus endet. In der Regel handelt es sich dabei immer um eine Ideologie, oder um ein vermeintlich philosophisch-ideologisches Ideal. Deshalb muss ich zu einer Umschreibung dessen kommen, was ich damit meine, wenn ich vorschlage, dem Eigennutz ade zu sagen.

Uneigennützigkeit bedeutet eine durch Rücksicht auf andere gekennzeichnete Denk- und Handlungsweise. Das bedeutet, ich handle ohne andere zu schaden. Das Gegenteil würde bedeuten, dass ich, wenn ich eigennützig handle, immer auch andere schaden kann.

Der Begriff Uneigennützigkeit gilt seit Auguste Comte (1798 – 1857 französischer Mathematiker, Philosoph und Religionskritiker) als ein Gegenbegriff zum Egoismus. Das ist er tatsächlich aber nicht. Das kann er gar nicht sein. Denn der Gegenbegriff von Uneigennützigkeit kann nur die Eigennützigkeit sein.

Man geht fälschlicherweise davon aus, dass mit einem uneigennützigen Handeln die Abwesenheit des Ego verbunden sein müsste. Das stimmt nicht. Ein Handeln muss nicht mit einem unmittelbaren Nutzen oder Gegenwert verknüpft sein. Bei denjenigen, denen geholfen wurde, muss der Vorteil auch nicht größer sein, als der Nutzen beim Helfer. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass es sowohl beim eigennützigen als auch beim uneigennützigen Verhalten nicht grundsätzlich ums Geld gehen muss. Sondern es geht um Aufmerksamkeit.

Wie oben erwähnt beruht Eigennützigkeit in der Regel auf eine Angst. Ziehen wir als Beispiel hier mal die Angst heran, einen Mangel an Liebe zu interpretieren. Wo kommt diese Angst nun schon wieder her? Sie kann entstanden sein, als der Mensch als Säugling nicht oder nicht ausreichend körperliche Nähe zur Mutter erfahren hatte. Wir erleben als Neugeborene in der heutigen Zeit unsere ersten Lebensjahre zumeist in frühkindlichen Betreuungseinrichtungen. Das hinterlässt nicht selten ein bleibendes Trauma beim Säugling, denn es interpretiert die Abwesenheit der Mutter als Überlebensangst. So wird dieser Mensch Zeit seines Lebens eine Überlebensangst mit sich herum tragen, ohne zu wissen, wo sie herkommt. Hier müsste uns eigentlich die Bindungsforschung weiter helfen. Weshalb sie das nicht machen kann oder möchte, muss man sich doch schon einmal fragen.

Der Altruismus ist eigentlich nichts anderes als die Bedingungslose Liebe, die z.B. eine Mutter normalerweise ihrem Kind gegenüber spürt. Wäre sie selbst nicht als Kind weggegeben worden, sondern bedingungslos geliebt worden, würde sie es sicher nicht über ihr Herzgefühl bringen können, das Kind in Betreuung zu geben, vielleicht um etwas Geld zu verdienen.

Es geht beim uneigennützigen Verhalten nicht darum anderen Menschen um des Helfens Willen zu helfen, sondern um wahre bedingungslose Liebe zu geben und sie zurück zu bekommen. Und diese Zuneigung, diese Aufmerksamkeit dir als Helfer gegenüber ist mit Geld nicht zu bezahlen.

Aber die Wissenschaften wissen das und haben es längst beschrieben. Zum Beispiel haben sie den Brutpflegetrieb bei fast allen Tierarten beschrieben, wo die Nachkommen durch die Elterntiere aufgezogen werden. Weshalb soll der beim Menschen nicht vorhanden sein? Und wenn er hier und da, ab und an nicht vorhanden ist, warum ist er nicht vorhanden? Dieser Trieb trägt wesentlich zur Arterhaltung bei. Soll es Menschen verunmöglicht sein, die eigene Art zu erhalten? Wer kann daran interessiert sein?

Ein hohes Maß an Uneigennützigkeit will man auch im eusozialen Verhalten (Kameradschaftliches Verhalten) mancher Tierarten und eben auch beim Menschen beobachtet haben. Das bedeutet, uneigennütziges Verhalten ist dort anzutreffen, wo ein gemeinschaftliches Miteinander zwischen Individuen vorhanden ist oder entsteht, wie etwa in Rudeln und beim Menschen, wenn in Gemeinschaften das Geld keine Rolle spielt, sondern zu allererst die Zwischenmenschlichkeit von Bedeutung ist.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Uneigennützigkeit noch ein großer gesellschaftlicher Wert. Wer es zu Ansehen und Besitz gebracht hatte, war zu gleich in der Verpflichtung, uneigennützig tätig zu sein. Anderenfalls hätte man ihn leicht aus der dörflichen Gemeinschaft ausschließen können. So gesehen erhalten Menschen erst den richtig großen Wert zurück, wenn sie uneigennützig gegeben haben. Tragen sie dabei doch dazu bei, sich die Energie des Werdens, also des Lebens sich entfalten zu lassen.

In der bedingungslosen Liebe zu sein, bedeutet uneigennützig zu wirken und der Lohn ist das Ansehen in der Gemeinschaft. Dabei kommt es nicht darauf an, das meiste uneigennützig zu tun, sondern ein Teil einer uneigennützig wirkenden Gemeinschaft zu sein, die sich gegenseitig an all den Stellen hilft, wo Hilfe gebraucht wird.

Insofern handelt es sich hierbei nicht um einen moralischen Begriff, oder um ein gesellschaftliches Diktat (vgl. Kommunismus), sondern um die bedingungslose Liebe, die ein Naturtrieb ist. Wir nennen ihn nur Uneigennützigkeit. Es handelt sich um den Naturtrieb des Werdens. Unter diesem Trieb entsteht das Leben. Handelt etwas nicht in diesem Sein, handelt es gegen das Leben und somit handelt es gegen sich selbst und gegen die eigene Natur.

Natürlich brauchst du in dieser Gesellschaft auch Geld. Du kannst gewiss davon ausgehen, dass die Menschen, denen du in schwierigen Lebenslagen uneigennützig geholfen hast, dich auch freigiebig beschenken werden. Das tun sie, weil sie es tun wollen und du musst nichts fordern. Diese Menschen haben durch dich den wahren Wert des Lebens erfahren und für sie hat der Geldbetrag dann sicher auch an Bedeutung verloren.

Bild-Quelle: pixabay.com

Schreibe einen Kommentar